Poetik-Dozentur
Archiv:
Gerhard Köpf
(Frühjahr 1999)

Mich
interessiert nicht
der tumb geradeaus verlaufende Erzählstollen.
"Der
Erzähler ist ein Erinnerungskünstler, sein Gewerbe ist
die rückwärtsgewandte Prophetie. (...) Was wir Wirklichkeit
zu nennen geneigt sind, ist erst über die Fiktion von ihr
erzählbar. Abseits
Tatsachen sind erst erzählbar nach ihrer Verwandlung in Geschichten.
Geschichten erzählen heißt stets, sie zu finden und
zu erfinden.
Solche Erinnerungen aber schaffen sich ihre eigenen Regeln von
Zeit und Raum.
Seitwärts.
Jeder Roman sollte nicht nur Roman, sondern zugleich die Poetik
seiner selbst sein. Deshalb erzählen alle Erzählungen
und Romane von Rang mehr als ihre Geschichte:
Mithin räumliches Erzählen als Alternative zum stumpfsinnig
additiv Linearen
sie erzählen auch das Erzählen und seine Bedingungen.
(...) Erzählen ist Widerstand: auch gegen Unvernunft und
Ignoranz, gegen die Leitplanken im Kopf, gegen das schleichende
des Unddannunddann."
Jahrhundertgift, das da die Dummheit heißt."
Für
das Foto: Jürgen Bauer.