Lehrveranstaltungen
SoSe 2010:
Hauptseminar:
"Literaturtheorien des 20. Jahrhunderts"
Das
Hauptseminar soll einen Überblick über die wichtigsten Texten und
Thesen der Literaturtheorie ermöglichen. Dabei sollen auch die
historischen und systematischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen
Theoriemodellen berücksichtigt werden. Beginnend mit der
philosophischen Hermeneutik (Hans Georg Gadamer), werden
Fortentwicklungen etwa im Rahmen der Rezeptionstheorie (Hans Robert
Jauß), aber auch im Konstruktivismus diskutiert.
Einen anderen
Komplex stellen strukturalistische, semiotische und
poststrukturalistische Theoreme dar (Roland Barthes, Jacques Derrida).
Medientheorien (Flusser, Virilio, McLuhan und Kittler) bilden einen
Übergang zu den historisch orientierten Ansätzen wie etwa den
verschiedenen Diskurstheorien (Foucault u.a.), den Gendertheorien, den
cultural studies und der „Metaphorologie“ von Hans Blumenberg. Sie
markieren zugleich den Anschluß an aktuelle Debatten über Definition
und Selbstverständnis der Philologien im Rahmen der
kulturwissenschaftlichen „Trends“ und „Turns“ der vergangenen Jahre.
Textgrundlage: Dorothee Kimmich/Rolf Günther Renner/Bernd Stiegler,
Literaturtheorien der Gegenwart, Stuttgart (Reclam) 2009.
Zeit: Di 12-14
Raum: 315
Leistungsnachweis: Regelmäßige Teilnahme, Hausarbeit
Credits: nach Prüfungsordnung
Hauptseminar:
"Literatur der Jahrhundertwende" (mit didaktischer Übung von Prof. Hans Ulrich Staiger)
Die Jahrhundertwende als Beginn der Moderne soll in
literaturwissenschaftlicher und kulturwissenschaftlicher Perspektive
vorgestellt werden.
Dabei werden zum Thema: Modernisierung und Urbanisierung, Neue Medien:
Photographie und Kino, Sozialer Wandel und neue Mentalitäten,
Epistemologischer Paradigmenwechsel: Wissenschaften um 1900, Ernst
Machs Theorie der Empfindungen, Psychologie und Psychoanalyse,
Grundzüge der Großstadtliteratur, Anfänge der „Kino-Debatte“, Körper-
und Geschlechterkonzepte in der Literatur, „Subjektzerfall“ und
Sprachkritik.
Literatur: Arthur Schnitzler: Leutnant Gustl (1900) und Reigen
(1903), Hugo von Hofmannsthal: Ein Brief (1902), Robert Musil: Die
Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906), Rainer Maria Rilke: Briefe
über Cézanne (1907), Neue Gedichte (1907) und Die Aufzeichnungen des
Malte Laurids Brigge (1910).
Zeit: Mo 12-14
Raum: 415
Leistungsnachweis: Regelmäßige Teilnahme, Hausarbeit
Credits: nach Prüfungsordnung
Vertiefungsseminar
"Klassiker der Kulturtheorie"
Kulturtheorien stammen aus unterschiedlichen Disziplinen und sind keine
eigene Disziplin. Sie entstammen der Psychologie, der Soziologie, der
Philosophie, der Ethnologie und der Literatur. Sie stellen die Frage
nach der Bedeutung, der Funktion und der Entwicklung von Kulturen und
von Kultur. Das Hauptaugenmerk der Veranstaltung liegt auf der
Tatsache, dass wir keinen homogenen Kulturbegriff haben und daher die
Kulturwissenschaften und die Kulturtheorie nicht nur beschreibende
Funktion haben, sondern Teil einer Produktion dieses Kulturbegriffs
sind. Sie verstehen sich als eine Art „Ethnologie der eigenen Welt“,
die eine Lücke zwischen verschiedenen Fächern schließen möchte. Dabei
profitieren sie von den methodischen Grundlagen der Kultursoziologie –
insbesondere Georg Simmels, Max Webers und Pierre Bourdieus –, aber
auch von Theoremen der Kulturtheorie im Sinne Aby Warburgs und Walter
Benjamins. Zudem haben die strukturalistischen und
poststrukturalistischen Theorien von Jakobson, Levi-Strauss, de Man und
Derrida ihre Spuren hinterlassen ebenso wie diskurstheoretische
Positionen Michel Foucaults und Rolands Barthes.
Kulturtheorie betreiben wir hier als Teil der neuen Kulturwissenschaften.
Literatur:
René Girard, Das Heilige und die Gewalt, Georges Bataille, Theorie der
Religion Arnold van Gennep, Übergangsriten, Aby Warburg,
Schlangenritual Claude Lévi-Strauss, Elementare Strukturen der
Verwandtschaft, Bruno Latour, Wir sind nie modern gewesen, Bronisław
Malinowski, Baloma – Die Geister der Toten auf den Trobriand-Inseln,
Marcel Mauss, Die Gabe, Georg Simmel, Die Großstädte und das
Geistesleben,
Siegfried Kracauer, Die Angestellten, Helmuth Plessner, Grenzen der Gemeinschaft,
Pierre Bourdieu, Die verborgenen Mechanismen der Macht, Sigmund Freud, Totem und Tabu.
Zeit: Di 16-18
Raum: 032
Leistungsnachweis: Regelmäßige Teilnahme, Hausarbeit
Credits: nach Prüfungsordnung
Ringvorlesung
"Einführung
in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft"
Die Vorlesung
"Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft"
ist eine Ringvorlesung, in der Grundwissen, Probleme und Methoden der
Literaturwissenschaft vermittelt werden. Die Vorlesung ist eine Pflichtveranstaltung
für alle Studiengänge, die begleitend zum Proseminar I der
NDL besucht werden muss, und schließt mit einer Klausur am Semesterende
ab. Das detaillierte Programm der Vorlesung wird per Aushang angekündigt.
Examenskolloquium
Termin: Fr., 30. April 2010, Raum 033.
WiSe 2009/2010:
Haupt-/Oberseminar
"Arthur Schnitzler"
"Schnitzler
betrachtet seinen Helden, wie ein Mikrobenforscher einen Wassertropfen
unters Mikroskop nimmt." (Politzer 1968) Die Konzeption seiner Werke
gleicht einer Versuchsanordung, die eine Konstellation von Bedingungen
entwirft, um deren Effekte im subjektiven Bewusstsein einer Figur zu
studieren. Schnitzler versucht mithin, psychische Prozesse
"künstlerisch zu zeigen, nicht kommentatorisch davon zu berichten"
(Bahr 1981), indem er einen apersonalen "Protokollführer" neben dem
Gehirn einsetzt. Das gleicht einem iliterarischen Vorstoß ins
"Unbewußte", d.h. ist eine Darstellung von psychischen Vorgängen, die
der Kenntnis des Subjekts selbst (noch) entzogen sind. Schnitzlers
Texte bieten eine Vielzahl ästhetischer Innovationen, die
kulturgeschichtlich und literaturhistorisch hochinteressant sind.
Haupt-/Oberseminar
"Gottfried Keller"
"Der grüne Heinrich" ist nicht nur ein
"grüner" unerwachsener Junge, sondern zugleich auch ein schlechtes
Abbild seines Vaters, also eigentlich gar nie wirklich jung. Die
Kleidung ist väterliches Erbe, mit dem er nichts anzufangen weiß. Diese
Kleider machen aus ihm gerade keinen Mann, weil er sie sich nicht
anzuverwandeln vermag. Er trägt sie wie eine fremde Hülle, geht
achtlos und lieblos damit um. Dieser Geringschätzung korrespondiert die
übertriebene Sorge und die fortwährende Produktion von Stoff, die seine
Mutter betreibt. Beiden fehlt auf unterschiedliche Weise das Gefühl für
den Umgang mit dem "Stofflichen", dem Sinnlichen, das Gespür für die
ästhetische Qualität der Dinge:
Das kann man nun von den Texten
Kellers selbst nicht sagen. Die manchmal harmlos wirkenden Texte sind
oft abgründig, melancholisch, ja bösartig und nie simpel. Sie liefern
einen Einblick in die Ästhetik des Realismus und zugleich einen
kulturgeschichtlich sehr interessanten Fundus an Bildern, Motiven und
Themen, wie sie das 19. Jahrhundert charakterisieren.
Haupt-/Oberseminar
"Heimat"
in Literatur und Film (19. und 20. Jahrhundert)
"Heimat“
scheint ein antiquierter Begriff im Zeitalter von Globalisierung und
Migration. Das täuscht: Gerade im Zusammenhang von Migration, Literatur
und Kultur ist wieder die Rede von Heimat und ihren neuen Funktionen
bzw. Bedeutungen.
Dabei ist Heimat nicht mehr nur mit bestimmten Orten und Landschaften
verbunden, sondern vielmehr auch an Sprache, kulturelle Praktiken, an
Lebensformen in der Diaspora oder auch nur an „Dinge“ gebunden.
Ausgehend von Texten des 19. Jahrhunderts, die unsere Vorstellung von
Heimat geprägt haben, werden wir dem Thema folgend Texte aus der
Exilliteratur, aber auch zeitgenössische Texte lesen. Es handelt
sich dabei vor allem um Novellen und Romane von Theodor Fontane, Adalbert
Stifter, Theodor Storm, L. Ganghofer, Stefan Zweig, Franz Werfel, Walter
Benjamin, Hubert Fichte, Norbert Gstrein, Herbert Achternbusch, Thomas
Bernhard, Herta Müller, E.S. Özdamar, Feridun Zaimoglu, bzw.
um die Filme von Edgar Reiz u.a.
Ringvorlesung
"Einführung
in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft"
Die Vorlesung
"Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft"
ist eine Ringvorlesung, in der Grundwissen, Probleme und Methoden der
Literaturwissenschaft vermittelt werden. Die Vorlesung ist eine Pflichtveranstaltung
für alle Studiengänge, die begleitend zum Proseminar I der
NDL besucht werden muss, und schließt mit einer Klausur am Semesterende
ab. Das detaillierte Programm der Vorlesung wird per Aushang angekündigt.
Die Abschlussklausur findet am 13.02.2010 statt.
SoSe2009:
Haupt-/Oberseminar
„Heimat"
in Literatur und Film (19. und 20. Jahrhundert)
„Heimat“
scheint ein antiquierter Begriff im Zeitalter von Globalisierung und
Migration. Das täuscht: Gerade im Zusammenhang von Migration, Literatur
und Kultur ist wieder die Rede von Heimat und ihren neuen Funktionen
bzw. Bedeutungen.
Dabei ist Heimat nicht mehr nur mit bestimmten Orten und Landschaften
verbunden, sondern vielmehr auch an Sprache, kulturelle Praktiken, an
Lebensformen in der Diaspora oder auch nur an „Dinge“ gebunden.
Ausgehend von Texten des 19. Jahrhunderts, die unsere Vorstellung von
Heimat geprägt haben, werden wir dem Thema folgend Texte aus der
Exilliteratur, aber auch zeitgenössische Texte lesen. Es handelt
sich dabei vor allem um Novellen und Romane von Theodor Fontane, Adalbert
Stifter, Theodor Storm, L. Ganghofer, Stefan Zweig, Franz Werfel, Walter
Benjamin, Hubert Fichte, Norbert Gstrein, Herbert Achternbusch, Thomas
Bernhard, Herta Müller, E.S. Özdamer, Feridun Zaimoglu, bzw.
um die Filme von Edgar Reiz u.a.
Haupt-/Oberseminar
Foucault
als Kulturtheoretiker
Da die
Nachfrage im vergangenen Semester so groß war, habe ich mich entschieden,
im Sommersemester 2009 das Seminar „Foucault als Kulturtheoretiker“
noch einmal anzubieten. Es werden ähnliche Themen und Texte bearbeitet;
es handelt sich also nicht um eine sinnvolle Fortsetzung des Seminars
vom WS!
Trotz umfassender Forschung und allgemeiner Präsenz in vielen methodischen
und theoretischen Konzepten unterschiedlicher Disziplinen ist Michel
Foucault immer noch ein umstrittener Autor. Seine Thesen sind auch 40
Jahre nach der Publikation noch in der Lage zu provozieren. Foucaults
Machtbegriff, seine Verwendung und Prägung des Begriffs „Diskurs“,
sein Autorkonzept, seine verschiedenen Formen von Subjektkritik und
Subjektkonstitution, seine Historismuskritik und sein Geschichtsmodell
haben weitreichende Diskussionen ausgelöst. Aber auch sein politisches
Engagement ist Teil seiner kulturkritischen Haltung und gehört
damit zu dem, was man als seine „Kulturtheorie“ in einem umfassenden
Sinne bezeichnen könnte.
Literatur:
Überwachen und Strafen, Wahnsinn und Gesellschaft, die Archäologie
des Wissens; Sexualität und Wahrheit Bd. 1-3; Auszüge aus
Schriften, Bd. 1 und 2; Didier Eribon, Michel Foucault. Eine Biographie, Frankfurt 1991.
Haupt-/Oberseminar
Hubert
Fichte
Ich fraß
diesen Sommer mit großem Appetit das Werk des großen Hamburger
Heimatschriftstellers Hubert Fichte… : endlich ein deutscher Nachkriegsschriftsteller
für mich. Der alles richtig gemacht hat." So kommentiert Diedrich
Diederichsen (1993) seinen Leseeindruck von Fichtes „Palette“.
Fichte (1935-1986) ist trotz seiner viel beachteten Werke kein wirklich
„kanonischer“ Autor geworden. Alle Werke haben autobiographischen
oder dokumentarischen Charakter, gelten in den 60er und 70 Jahren als
skandalös und sind eher im Bereich „Reiseliteratur“ als
im Bereich der Belletrikstik rezipiert worden. Fichte ist einer der
ersten, die in Deutschland Literatur als Ethnologie der eigenen Kultur
betreiben. Daher ist es nicht falsch, ihn als einen bedeutenden „Heimatschriftsteller“
zu bezeichnen. Zugleich sind seine Reiseberichte, seine Fotodokumentationen
und die autobiographische Darstellung seines coming out Stil prägend
gewesen.
Literatur zur Einführung: Beckermann, Thomas (Hrsg.): Hubert Fichte - Materialien zu Leben und
Werk. Frankfurt/M., Fischer 1985; Böhme, Hartmut / Tiling, Nikolaus
(Hrsg.): Leben, um eine Form der Darstellung zu erreichen. Studien zum
Werk Hubert Fichtes. Frankfurt/M., Fischer 1991; Böhme, Hartmut
/ Tiling, Nikolaus (Hrsg.): Medium und Maske. Die Literatur Hubert Fichtes
zwischen den Kulturen. Stuttgart, M & P Verlag für Wissenschaft
und Forschung 1995; Böhme, Hartmut: Hubert Fichte. Riten des Autors
und Leben der Literatur. Stuttgart, Metzler 1992; Braun, Peter / Weinberg,
Manfred: Ethno/Graphie. Reiseformen des Wissens. Tübingen, Gunter
Narr 2002; Braun, Peter: Die doppelte Dokumentation. Fotografie und
Literatur im Werk von Leonore Mau und Hubert Fichte. Stuttgart, Metzler
1997; Kamath, Rekha: "Schichten statt Geschichten". Selbst-
und Fremderforschung bei Hubert Fichte. Bielefeld, Aisthesis 1993; Weinberg,
Manfred: Akut. Geschichte. Struktur. Hubert Fichtes Suche nach der verlorenen
Sprache einer poetischen Welterfahrung. Bielefeld, Aisthesis 1993;Röggla,
Kathrin: Ein Anmaßungskatalog für Herrn Fichte. In: Kultur
& Gespenster 1 (2006).
WiSe
2008/2009:
Vorlesung
Die
Moderne: Literatur und Kultur
Die Vorlesung
bietet eine Einführung in die „Moderne um 1900“, beginnend
mit dem Naturalismus (Zola, Strindberg). Neben der Literatur der „Wiener
Moderne“ (z. B. Hofmannsthal, Ein Brief) werden auch philosophische
und kulturgeschichtliche Entwicklungen berücksichtigt (Ernst Mach;
Sigmund Freud); ebenso werden mediengeschichtliche (Geschichte von Kino
und Film) und sozialgeschichtliche Phänomene (Familiengeschichte,
Entwicklung in den Großstädten, Mode, Sport) besprochen.
Ein Reader wird zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.
Haupt-/Oberseminar
Foucault
als Kulturtheoretiker
Trotz umfassender
Forschung und allgemeiner Präsenz in vielen methodischen und theoretischen
Konzepten unterschiedlicher Disziplinen ist Michel Foucault immer noch
ein umstrittener Autor. Seine Thesen sind auch 40 Jahre nach der Publikation
noch in der Lage zu provozieren. Foucaults Machtbegriff, seine Verwendung
und Prägung des Begriffs „Diskurs“, sein Autorkonzept,
seine verschiedenen Formen von Subjektkritik und Subjektkonstitution,
seine Historismuskritik und sein Geschichtsmodell haben weitreichende
Diskussionen ausgelöst. Aber auch sein politisches Engagement ist
Teil seiner kulturkritischen Haltung und gehört damit zu dem, was
man als seine „Kulturtheorie“ in einem umfassenden Sinne bezeichnen
könnte.
Literatur:
Überwachen und Strafen, Wahnsinn und Gesellschaft, die Archäologie
des Wissens; Sexualität und Wahrheit Bd. 1-3; Auszüge aus
Schriften, Bd. 1 und 2; Didier Eribon, Michel Foucault. Eine Biographie, Frankfurt 1991.
SoSe
2008:
Vorlesung
Migration in Deutschland: Literatur und Film
Weltliteratur
ist nicht nur eine Frage der Bewegung und Verbreitung von Texten, sondern
auch eine der Bewegung und Migration von Personen, von AutorInnen und
Autoren. Die Auflösung einer strengen Zuordnung von Texten zu einer
territorial bestimmten Nationalliteratur ist längst selbstvertständlich
geworden. Daher gilt es nun Texte nach anderen Kriterien zu erfassen,
zu ordnen und zu diskutieren. In der Vorlesung werden daher nicht nur
einzelne Autoren wie Salman Rushdie, Naipaul, Zaimoglu, Herta Müller
oder Yoko Tawada besprochen und vorgestellt, sondern literaturtheoretische
Fragen erörtert und die Herausforderungen duch die neuen Entwicklungen
diskutiert.
Literatur: Zur Einführung:
Literatur und Migration (Text und Kritik), München 2006.
Haupt-/Oberseminar
Literatur und/als Ethnologie
Literatur
und/als Ethnologie bezieht nicht nur literarische Texte von Montaigne
bis Hubert Fichte ein, sondern es sollen auch eine Reihe einschlägiger
theoretischer Texte gelesen werden. Darunter Werke von Claude Levi-Strauss,
von Clifford Geertz, von Fritz Kramer, von L. Levi-Bruehl und von Karl-Heinz
Kohl.
Nben den frühen Beipielen für einen Blick des Fremden auf
die eigene Kultur, wie sie etwa in den stilbildenden Lettres persannes
von Montaigne vorliegen, sollen vor allem Texte, die Erfahrungen mit
dem Exotischen, dem Fremden oder dem vermeintlich Bekannten vorführen,
gelesen werden. (Hubert Fichte, Xango; Peter handke, Versuch über
den geglückten Tag; Robert Müller, Tropen u.a.)
Literatur: Clifford Geertz, Dichte Beschreibung, Frankfurt 1983.
Haupt-/Oberseminar
Migration
in Deutschland: Literatur und Film
„Die
Zukunft der französischen Literatur liegt in den Händen der
maghrebinischen Autoren, die Zukunft der englischen in jenen von Pakistanis
und Indern und die der deutschen Literatur in den Händen von Türken.“
So formulierte der spanische Autor Juan Goytisolo in einer Rezension
von Emine Sevgi Özdamars Roman „Das Leben ist eine Karawanserei“
und er fügt hinzu, aus dem Spaß mit der Migrantenliteratur
sei jetzt Ernst geworden.
Die Vorstellung, dass Literatur und Kultur auf eine ethnische und territorial
geschlossene Einheit bezogen sind, ist nicht mehr aktuell. Das ist nicht
vollkommen überraschend, denn schließlich hat es - auch und
gerade in der deutschen Literatur - schon immer Autoren gegeben, die
in der Fremde geschrieben haben, die im Exil, in der Ferne, im Ausland
auf Reisen oder in der Verbannung ihre Werke verfaßten; oder auch
von Verbannung, Vertreibung, Auswanderung und Exil erzählen.
Literatur: Werke von
Herta Müller, Sevhi Özdamar, Yoko Tawada, Feridun Zaimoglu,
Ilija Trojanow, Dimitre Dinev u.a. Filme von Fatih Akin u.a.
Sekundätliteratur zur Einführung: Literatur und Migration.
(Text und Kritik), München 2006
Haupt-/Oberseminar
Medientheorien der Nachkriegszeit
"Sucht
man in neueren Positionen der Medientheorie nach einem gemeinsamen Horizont,
so muss man in Medien nicht nur Verfahren zur Verarbeitung von Information,
zur räumlichen und zeitlichen Übertragung von Daten erkennen.
Sie gewinnen ihren Status... gerade daurch, dass sie das, was sie speichern
und vermitteln, jeweils unter Bedingungen stellen, die sie selbt schaffen
oder sind (Joseph Vogl, 2004) Medienwissenschaften und mit ihnen die
Medientheorie verstehen sich als Grundlagenwissenschaften des 20. und
21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Texte sollen gelesen und kritisch
diskutiert werden, darunter Werke von M. McLuhan, P. Virilio, J. Baudrillard.
V. Flusser, Enzensberger, A. Kluge und F. Kittler. Ein Reader wird zusammengestellt.
Literatur: Rainer
Leschke, Einführung in die Medientheorie, München 2003; H.
Schanze (Hg.), Medientheorie/ Medienwissenschaft, Stuttgart 2002: Roesler,
Stiegler(Hg.), Grundbegriffe der Medientheorie, München 2005.
WS
2007/2008
Vorlesung
Kulturtheorien
der Nachkriegszeit
Die Vorlesung
bietet einen Überblick über Konzepte und theoretische Modelle,
die Kultur nicht nur definieren, sondern zugleich eine Anzahl an methodologischen
Überlegungen und Instrumenten liefern, um kulturelle Phänonemne
zu erfassen, zu deuten und zu analysieren. Es handelt sich dabei um
Modelle, die meist aus der Ethnologie, der Soziologie, der Kulturgeschichte
oder der Philososphie bzw. den Rand- und Zwischenbereichen dieser Fächer
stammen. Es soll sich daher um einen Überblick handeln, der die
notwendigen Grundlagen vermittelt, um die sogenannte \"kulturelle
Wende\", den \"cultural turn\" in den Literaturwissenschaften
zu verstehen.
Literatur: Georg Simmel;
Sigmund Freud; Norbert Elias; T. W. Adorno; W. Benjamin; Michel Foucault,
Clifford Geertz; Jan Assmann u. a.
Haupt-/Oberseminar
Alfred
Polgar, Peter Altenberg und die Wiener Moderne
Die Literatur
der Wiener Moderne steht exemplarisch für die verschiedenen Strömungen
der literarischen Moderne in Europa überhaupt. Dabei werden meist
die kanonischen Texte von Rilke, Hofmannsthal und Musil in der Vordergrund
gerückt.
Autoren wie Peter Altenberg und Alfred Polgar, die in ihren Texten nicht
nur die literarischen, sondern auch die medienhistorischen und politischen
Veränderungen in der Moderne thematisieren, werden nicht selten
nur am Rande erwähnt. Ihre Werke sollen in diesem Seminar als Zeugnisse
der Moderne gelesen und im kulturhistorischen Kontext analysiert werden.
Literatur: D. Kimmich,
T. Wilke, Einführung in die Literatur der Jahrhundertwende, Darmstadt
2006.
Haupt-/Oberseminar
Der
frühe Deutsche Film: Geschichte und Theorie
Die Erfindung
des Films bzw. des Kinos bedeutete eine Revolution der visuellen Künste.
Darüber hinaus wurde so eine Vielzahl ästhetsicher, aber auch
psychologischer und sogar physiologischer Fragen neu gestellt. Das frühe
deutsche Kino kann als theoretisches und praktisches Experiment verstanden
werden, das die Grenzen und Möglichkeiten dieses neuen Mediums
auslotet. Theorie und Praxis sind dabei nicht getrennt zu behandeln,
sondern konstituieren ein gemeinsames Feld programmatischer Überlegungen.
Daher werden in diesem Seminar neben einigen klassischen Filmen von
Fritz Lang, F. W. Murnau und G. W. Pabst auch theoretische Texte u.
a. von Siegfried Kracauer, Béla Bálazs, R. Arnheim, Sergei
Eisenstein und Walter Benjamin gelesen bzw. diskutiert und analysiert.
Literatur: Fritz Lang,
Der müde Tod, Metropolis; F. W. Murnau, Nosferatu; G. W. Pabst;
Die Büchse der Pandora; S. Eisenstein, Panzerkreuzer Potemkin;
S. Kracauer, Theorie des Films (Auszüge); W. Benjamin, Das Kunstwerk
im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit; B. Bálazs,
Der sichtbare Mensch. (Die theoretiscehn Texte werden im elektronischen
Semesterapparat zur Verfügung gestellt.)
Haupt-/Oberseminar
Kulturtheorien
der Nachkriegszeit
Das Seminar
möchte einen Einblick geben in die Theorien, die im Kontext der
so genannten kulturellen Wende in den Humanwissenschaften von besonderer
Bedeutung sind. Dabei soll der Schwerpunkt liegen auf Theorien, die
in der Nachkriegszeit entwickelt wurden bzw. in dieser Zeit ihre besondere
Wirkung entfaltet haben. Es sind Konzepte, die eine Methodologie zur
Erfassung und Erforschung kultureller Phänomene vorlegen und dabei
nicht selten zugleich eine Definition dessen liefern, was als kultuerlles
Phänomen verstanden werden soll bzw. kann. Dabei soll allerdings
auch deutlich werden, dass die modernen Theorien allesamt auf Konzepten
basieren, die weit in die Geschichte der Philosophie, Soziologie und
Literaturwissenschaft hinein reichen.
Literatur: Roland
Barthes, Mythologies/Mythen des Alltags; Michel Foucault, Die Ordnung
der Dinge; Marshall McLuhan; Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis;
Homi Bhabha, Location of Culture/Die Verortung der Kultur; Pierre Bourdieu,
Die feinen Unterschiede; Clifford Geertz, Dichte Beschreibung; Rene
Girard, Das Heilige und die Gewalt.
SoSe
2007:
Vorlesung
Literatur
des Realismus - Europäischer
Realismus
„Was
unsere Zeit nach allen Seiten hin charakterisiert, das ist ihr Realismus…
Die Welt ist des Speculierens müde und verlangt nach jener „frischen
grünen Weide“, die so nah lag und doch so weit:“ Theodor
Fontane versteht „Realismus“ nicht als eine Epochenbezeichnung
in der Kunst- und Literaturgeschichte, sondern vielmehr als eine Form
der „Weltanschauung“ oder einen „Diskurs“, der auch
Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medizin und die Kriegskunst umfasst.
Tatsächlich vertrete die großen realistischen Dichter des
19. Jahrhunderts ein Programm, das sich nicht nur gegen bestimmte Formen
des Idealismus und der Romantik wendet. Die Hinwendung zur „Realität“
propagiert kein simples Widerspiegelungsparadigma, sondern ist vielmehr
selbst die Frage danach, was denn Wirklichkeit sein könnte und
wie sie sich darstellen ließe. Die ästhetischen und insbesondere
die poetologischen Probleme, die dabei auftreten und diskutiert werden,
sind wegweisend nicht nur für die Entwicklungen im gesamten 19.
Jahrhundert, sondern auch für die Entstehung der Moderne. Realistische
Ästhetik wird in dieser Vorlesung nicht nur in der Literatur, sondern
auch im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Bereich der bildenden
Kunst bzw. der Photographie dargestellt werden.
Literatur: Adalbert Stifter, Bunte Steine u. a.; Theodor Fontane, Irrungen
Wirrungen u. a.; Wilhelm Raabe, Die Sperlingsgasse u. a.; Theodor Storm,
Der Schimmelreiter; Gustave Flaubert, Madame Bovary; Leo Tolstoi, Anna
Karenina. Sekundärliteratur: Realismus und Gründerzeit 2 Manifeste und
Dokumente zu deutschen Literatur 1848-1880), hg. von Max Bucher u. a.,
Stuttgart 1975.
Haupt-/Oberseminar
Adalbert
Stifter
„Stifter
ist einer der merkwürdigsten, hintergründigsten, heimlich
kühnsten und unheimlich packendsten Erzähler der Weltliteratur“:
so urteilte Thomas Mann über das Werk von Stifter, das er zugleich
für zu wenig erforscht hält. Während das eine auch heute
noch gilt, kann man mittlerweile nicht mehr davon sprechen, dass Stifter
schlecht erforscht sei. Im Gegenteil hat der im tiefsten Böhmen
geborene Autor in den letzten zehn Jahren geradezu eine Renaissance
erfahren. Dabei stand weniger sein berühmter Roman „Nachsommer“
im Zentrum des Interesses als vielmehr die Novellen und Erzählungen.
Besonders die Beziehung der Menschen zu ihrer Umgebung, zur Natur, zu
einer unwirtlichen, ungefährlichen Natur, ebenso wie zu einer kultivierten
Landschaft wurde neu und mit anderen Methoden thematisiert und erforscht.
Auch das Verhältnis der Generationen, die Frage nach dem Zusammenspiel
von Individuum und Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Ausschluß,
Integration und Desintegration im Werk Stifters wurde diskutiert.
Literatur: Werke:
Der Nachsommer; Die Mappe meines Urgroßvaters; Bunte Steine. Sekundärliteratur: Walter Benjamin, Stifter (GS, Bd.II); Thomas
Bernhard, Alte Meister, Frankfurt/Main 1985; Albrecht Koschorke, Der
Text one Bedeutung, in: DVjS 61(1987); K.-D. Müller, Utopie und
Bildungsroman, in: ZfdPh 90 (1971); Wolfgang Matz, Adalbert Stifter
oder Diese fürchterliche Wendung der Dinge. Biographie, München
1995.
Haupt-/Oberseminar
Kulturtheorien
von Nietzsche bis Luhmann
Seit den
80er Jahren des 20. Jahrhunderts spricht man von einem cultural turn,
der den Gegenstand ›Kultur‹ in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses
rückt und zur Ablösung des Paradigmas ›Geist‹ führte.
„Kultur ist zu einer Zauberformel unserer Gegenwart geworden,“
heißt es entsprechend im Vorwort eines Readers, der Kulturtheorien
von Sigmund Freud bis Marshall McLuhan vorstellt. Dabei wird deutlich,
dass auch hier keine einheitliche Formel gefunden wird für das,
was man als Kultur bezeichnen könnte. „Was ist Kultur?“:
Die Frage bleibt unbeantwortet. Umso wichtiger ist es daher, die verschiedenen
Ansätze, diese Frage zu beantworten, zur Kenntnis zu nehmen, systematisch
zu sichten und kritisch zu betrachten. Nicht nur die verschiedenen Antworten
verdienen Beachtung, sondern insbesondere auch die oft sehr unterschiedlichen
Ansätze, die Frage überhaupt zu stellen, sollen genau untersucht
werden. Neben soziologischen Ansätzen werden daher auch philosophische
und ethnologische texte gelesen werden. Wir nehmen die beiden Reader
„Culture Club I“ und „Culture Club II“ als Grundlage
einer kritischen Diskussion einschlägiger Primärtexte, die
in einem weiteren Reader zu Beginn des Semesters geliefert werden.
Literatur:
Culture Club I und II, hg. von Martin Hofmann u. a., Frankfurt Suhrkamp
2004 und 2006.
Oberseminar
Literatur und Naturwissenschaften
Eine erste
orientierende Sitzung findet im Brecht- Bau am Freitag, den 27.4. um
13 Uhr in Raum 348 statt. Dort werden ein genaues Programm, Referate
und Teilnahmebedingungen besprochen.
Die erste Kompaktsitzung findet am Freitag, den 11. 5. statt.
Es gibt Gelegenheit zur Vorstellung von Arbeitsprojekten.
Literatur: Hartmut Böhme, Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der
Moderne, Hamburg 2006; Horst Bredekamp u.a., Theater der Natur und Kunst.
Wunderkammern des Wissens, Berlin 2000; Lorrain Daston, Things that
Talk. Object Lessons from Art and Science New York 2004; Hans-Jörg
Rheinberger, Experimentalsysteme und epistemische Dinge. Eine Geschichte
der Proteinsynthese im Reagenzglas, Göttingen 2001; Bruno Latour,
Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft,
Frankfurt 2000.
WS 2006/2007
Forschungssemester,
daher keine Lehrveranstaltungen in Tübingen.
SoSe 2006:
Vorlesung:
(zusammen
mit Dr. Christine Renz/Dr. Dietmar Till)
Die Einführungsveranstaltungen
der Neueren Abteilung werden nach folgen dem Modell durchgeführt:
In Verbindung mit den Einführungsseminaren I findet eine zweistündige
Vorlesung statt. Aufgabe dieser Vorlesung ist die Vermittlung von Grundwissen
über Probleme und Methoden der Textanalyse im Hinblick auf die
drei Hauptgattungen (Lyrik, Epik, Dramatik). Die Studierenden erhalten
Hinweise auf Standardwerke der Forschungsliteratur, die in Auszügen
als Textsammlung zur Verfügung gestellt werden. Die Vorlesung ergänzt
die Einführungsseminare, die gleiche Fragestellungen vertiefend
jeweils an einer der Hauptgattungen behandeln und Methoden der Textanalyse
an einzelnen Werken vorstellen, einüben und kritisch reflektieren.
Der Besuch der Vorlesung wird dringend empfohlen. Ihr Stoff wird in
einem Leistungsnachweis der Einführungsseminare überprüft
(siehe die Vorbemerkungen zu Literatur I).
Proseminar
I:
Einführung
in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Die Einführung
bietet einen Einblick in die wichtigsten Arbeits- und Präsentationsthechniken
des Faches. An Beispieltexten (Kurzprosa des 20. Jahrhunderts; Arthus
Schnitzler, Robert Walser, Robert Musil, Hugo von Hofmannsthal u.a.)
werden methodische und theretische Grundlagen der Literaturwissenschaften
eingeübt.
Hauptseminar
Alltag:
Dinge, Texte, Räume
(zusammen
mit Prof. Dr. Schamma Schahada)
Eine Theorie
des Alltags zu verfassen, bedeutet, gelebte Erfahrung zu einem kritischen
Begriff zu machen – nicht nur, um diese gelebte Erfahrung zu beschreiben,
sondern um sie zu verändern, schreiben Alice Kaplan und \"Kristin
Ross\" in der Einleitung zu einem Band über Everyday Life
in den Yale French Studies. Alltag ist ein reales Phänomen, und
in der theoretischen Diskussion befindet er sich damit in einer Spannung
zwischen phänomenologischer Beschreibung und (post)strukturalistischer
Theorie.
Im Kontext kulturwissenschaftlicher Debatten ist das Thema Alltag zu
einem Schlüsselkonzept avanciert. In dem Seminar werden wir uns
mit theoretischen Konzepten, praktischen Lebensexperimenten sowie mit
literarischen und filmischen Gestaltungen u.a. der Philosophen und Literaten
der deutschen Moderne (Kracauer, Benjamin), der formalistischen Theorie,
der (post)revolutionären russischen Avantgarde (Lunac(arskij, Majakovskij,
Room), der Kommunen der 68er Jahre und der postmodernen russischen Kunst-
und Literaturszene (Kabakov, Groys) auseinandersetzen.
Zielpublikum: Studierende der Germanistik, Slavistik, Komparatistik
im Hauptstudium.
Literatur:
Einführende
Lektüre: Aleksandr Flaker, Alltag (byt), in: Glossarium der russischen
Avantgarde. Hrsg. von A.F. Graz, Wien 1989, 104-117; Ben Highmore (Hg.),
Everyday Life Reader. London 2002.
Oberseminar:
Das Verhältnis
von Literatur- bzw. Kulturgeschichte und Wissenschaftsgeschichte ist
derzeit eines der prominentesten Forschungsfelder. Nicht nur die Mediengeschichte,
sondern auch Anthropologie und Erkenntnistheorie sind ohne die naturwissenschaftlichen
Diskussionen nicht mehr zu verstehen. Daher gilt es, insbesondere die
Geschichte der modernen Literatur in wissenschaftsgeschichtlichen Kontexten
zu diskutieren und zu lesen.
Neben der Vorstellung von Dissertationsprojekten und Magisterarbeiten
soll eine Anzahl weiterer Texte diskutiert werden. Ein Reader wird bei
der verbindlichen Anmeldung ausgegeben.
Literatur: Bruno Latour, Wir sind nie modern gewesen, Frankfurt 2002; Ders., Die
Hoffnung der Pandora, Frankfurt 2002; Peter Geimer (Hg.), Ordnungen
der Sichtbarkeit, Frankfurt 2002; Paul Rabinow, Was ist Anthropologie,
Frankfurt 2004; Karin Knorr Cetina, Wissenskulturen. Ein Vergleich naturwissenschaftlicher
Wissensformen, Frankfurt 2002.
WS
2005/2006
Hauptseminar:
Walter
Benjamin
Walter
Benjamin ist zweifellos einer der umstrittensten Denker des 20. Jahrhunderts.
Die Renaissance seines Denkens seit den 80er Jahren hat eine Reihe sehr
kontroverser Diskussionen ausgelöst. Die Literatur zu Benjamin
ist kaum überschaubar. Trotz aller Differenzen in der Forschung
kann es aber als unbestritten gelten, dass Benjamin nicht nur ein bedeutender
Literaturwissenschaftler und ein einflussreicher Kritiker war, sondern
auch als Medientheoretiker mit seinen Schriften zu Kino und Photographie
mittlerweile zu einem kanonischen Autor geworden ist.
Das Seminar bietet einen Überblick über die wichtigsten kulturhistorischen
und kulturkritische Texte von Benjamin. Dabei werden auch seine literaturwissenschaftlichen,
seine medienhistorischen und seine philosophischen Texte berücksichtigt
werden.
Literatur: Das Kunstwerk
im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit; Kindheit um 1900;
Über den Begriff der Geschichte; Goethes Wahlverwandtschaften;
Denkbilder; Ich packe meine Bibliothek aus u.a. (nach Möglichkeit
in der Edition der Gesammelten Schriften).
Proseminar/Hauptseminar:
Robert
Musil - Kurze Prosa und Essays
„Nicht
von Göthe, Hebbel, Hölderlin werden wir lernen, sondern von
Mach, Lorentz, Einstein, Minkowski, von Couturat, Russel, Peano…
Und im Programm dieser Kunst das Programm eines einzelnen Kunstwerks
kann dies sein: Mathematischen Wagemut, Seelen in Elemente auflösen,
unbeschränkte Permutationen dieser Elemente, alles hängt dort
mit allem zusammen und läßt sich daraus aufbauen.“ So
lautet 1912 das ästhetische Bekenntnis von Robert Musil. Es handelt
sich um einen dezidierten Abschied vom Kanon der deutschen Literaturgeschichte
und um eine Hinwendung zu Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie.
Diese Kontexte gilt es sorgfältig zu erschließen.
Eine aufmerksame Lektüre der Prosatexte Musils (ohne Der Mann ohne
Eigenschaften) und eine umfassende Erarbeitung des historischen, ästhetischen
und wissenschaftsgeschichtlichen Kontexts sollen das außergewöhnliche
Werk erschließen und seine Bedeutung für die Ästhetik
der klassischen Moderne deutlich machen.
Literatur: Drei Frauen;
Vereinungen; Nachlaß zu Lebzeiten; Die Verwirrungen des Zöglings
Törleß; Essays.
SoSe
2005:
Vorlesung
Einführung
in die Literaturtheorie der Moderne
Die Vorlesung
bietet eine Einführung und einen Überblick über die gängigen
und meist diskutierten Literaturtheorien der Gegenwart. Sie werden im
Kontext der historischen, politischen, philosophie- und literaturgeschichtlichen
Entwicklung vorgestellt und diskutiert werden.
Dabei werden die philosophischen Grundlagen der jeweiligen Ansätze,
ihre wichtigsten Vertreter, die spezifische Fokussierung der Theoreme,
Rezeption und Kritik berücksichtigt.
Beginnend mit hermeneutischen und rezeptionstheoretischen Ansätzen
werden anschließend Psychoanalyse, Neomarxismus, Strukturalismus,
Semiotik, Diskurstheorien, Gendertheorien und Medientheorien vorgestellt.
Eine kontinuierliche Lektüre einschlägiger Texte ist Voraussetzung
für die erfolgreiche Teilnahme an dieser Vorlesung.
Textgrundlage
ist: Dorothee Kimmich/Rolf Günter Renner/Bernd Stiegler, Texte
zur Literaturtheorie der Gegenwart, Reclam 2002.
Proseminar
III/Hauptseminar:
Einführung
in die Literaturtheorie der Moderne
Dieses
Seminar möchte eine intensive Beschäftigung mit den wichtigsten
Texten der Literaturtheorie ermöglichen. Dabei sollen auch die
historischen und systematischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen
Theoriemodellen berücksichtigt werden. Beginnend mit der philosophischen
Hermeneutik (Hans Georg Gadamer), werden Fortentwicklungen etwa im Rahmen
der Rezeptionstheorie (Hans Robert Jauß), aber auch im Neomarxismus
(Jürgen Habermas) diskutiert werden.
Einen anderen Komplex stellen strukturalistische, semiotische und poststrukturalistische
Theoreme dar (Jakobson, Barthes, Derrida).
Historisch orientierte Diskurstheorien (Foucault, Gendertheorien, cultural
studies etc.) bilden den Abschluß und zugleich den Anschluß
an aktuelle Debatten über Definition und Selbstverständnis
der Philologien im Rahmen der kulturwissenschaftlichen Trends der vergangenen
Jahre.
Das Seminar ergänzt die Vorlesung. Beides kann aber auch unabhängig
voneinander besucht werden.
Textgrundlage:
Dorothee Kimmich/Rolf Günther Renner/Bernd Stiegler, Texte zur
Literaturtheorie der Gegenwart, Stuttgart (Reclam) 2002.
Hauptseminar:
Jacques
Derrida
Mit Jacques
Derrida ist im vergangenen Jahr einer der bekanntesten und umstrittensten
Philosophen des 20. Jahrhunderts gestorben. Er war einer der wenigen,
die man als tatsächlich „schulbildend“ bezeichnen kann.
Dabei ist sein Einfluß im Bereich der klassischen Philosophie
vergleichsweise gering geblieben, um so größer aber die Bedeutung,
die er im Rahmen von Literatur- und Kunsttheorien, ja sogar in der öffentlichen,
allgemeinen politischen und kulturellen Diskussion erlangt hat. Die
„Dekonstruktion“, so seine wohl bekannteste Wortprägung,
steht im Kontext der sprachphilosophischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts,
hat vernunftkritische Aspekte und knüpft insbesondere an Theoreme
von Hegel, Marx, Nietzsche und Heidegger an.
Neben der Lektüre zentraler Texte sollen auch die Rezeption in
Deutschland, insbesondere aber die Bedeutung für die Literaturwissenschaften
herausgearbeitet und diskutiert werden.
Theorie
der Schrift:
- "Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften
vom Menschen", in: Die Schrift und die Differenz, Frankfurt/Main
(Suhrkamp) 1976, S. 422-442.
- Grammatologie, Frankfurt/ Main (Suhrkamp) 1974, S. 7-48 und 130-170
Theorie
der Metapher, der Signatur, der Performanz:
- "La métaphore blanche", in: La dissémination
- "Signature, événement, contexte", in: Randgänge
der Philosophie, Wien (Passagen) 1988
Theorie der Literatur:
- Psyché. Inventions de l'autre [der erste Aufsatz in dem gleichnamigen
Buch Paris 1987, in dt. Übersetzung aufgeteilt auf mehrere Bände]
oder einen Teil aus: "Signéponge" (gibt es zumindest
auch englisch)
- Aus: "Psyché. Inventions de l'autre" auch evtl. den
Aufsatz zu Flaubert
- Derrida / Gadamer, Der ununterbrochene Dialog, Frankfurt/Main (Suhrkamp)
2004
Oberseminar:
Kulturwissenschaftliches
Kolloquium für Studierende aller Fakultäten
Unter
dem Begriff „Kulturwissenschaften“ vollzieht sich in den letzten
Jahren ein Integrationsprozess aller das Thema „Kultur“ betreffenden
Wissenschaften auf der Ebene der Theorie und Methodik. Zentral für
die Theoriebildung in diesem Bereich ist immer wieder auch die Berührung
zwischen ethnologischer und literaturwissenschaftlicher Theoriebildung
gewesen – hier wird das Seminar mit einigen zentralen zu Strukturalismus,
Poststrukturalismus und neuem Materialismus ansetzen. Gegenstand der
kulturwissenschaftlichen Debatte ist damit auch die Relevanz der „kleinen
Fächer“, ihre gesellschaftliche Situation und ihr Beitrag
zum gesellschaftlichen Ganzen. Kulturkritik begleitete die Entstehung
der Kulturwissenschaften, doch es geht auch um „harte Fakten“
über den Evolutionsprozess von Kultur und um einen neuen Dialog
der Geistes- und Sozialwissenschaften mit den Naturwissenschaften.
Das
Seminar besteht aus der Diskussion von Texten zur gegenwärtigen
kulturwissenschaftlichen Theoriebildung und aus Vortrags- und Diskussionssituationen,
in denen prominente Vertreter und Vertreterinnen des kulturwissenschaftlichen
Paradigmas auftreten werden.
Das
Seminar ist auch eine Veranstaltung des „Zentrums für Allgemeine
Kulturwissenschaften“ der gleichnamigen Fakultät und der interdisziplinären
Arbeitsgruppe „Wörter und Sachen“.
Eingeladen
sind dazu u.a. Prof. Dr. B. Gladigow, Prof. Dr. K. Antoni, Prof. Dr.
R. Johler, Prof. Dr. G. Braungart, Prof. Dr. U. Maag (IZKT, Stuttgart)
Prof. Dr. G. Wunberg (bisher IFK, Wien), PD Dr. Schüttpelz (Univ.
Konstanz).
WS 2004/2005
Hauptseminar:
Gottfried
Keller
"Seldwyla
bedeutet nach der älteren Sprache einen wonnigen und sonnigen Ort,
und so ist auch in der Tat die kleine Stadt dieses Namens gelegen irgendwo
in der Schweiz.“ So beginnt Gottfried Kellers Novellensammlung
„Die Leute von Seldwyla“. „Wonnig“ und „Sonnig“
sind auf den ersten Blick viele der Gegenden, in denen sich die Personen
seiner Romane und Novellen bewegen. Erst bei näherem Hinsehen öffnet
sich der Blick auf die historischen Dimensionen von Kellers Texten.
Die Landschaft, Geschichte und Kultur der Schweiz, die europäische
Literaturgeschichte vom Mittelalter bis zur Romantik, aber auch Entwicklung
und Geschichte der Naturwissenschaften bis hin zur modernsten Physiologie,
Geschichte und Praxis der bildenden Kunst, insbesondere der Malerei
bilden den außerordentlich komplexen Kontext von Kellers realistischer
Prosa.
Literatur: Der grüne
Heinrich; Die Leute von Seldwyla; Zürcher Novellen; Das Sinngedicht;
Sieben Legenden.
Zur Einführung: Gerhard Kaiser, Gottfried Keller. Das gedichtete
Leben, Frankfurt 1981.
Oberseminar:
Termine
werden festgelegt.
SoSe
2004:
Hauptseminare:
Diskursanalyse
und New Historicism
Im Jahr
2001 hat die erste große Tagung in Deutschland zum Gesamtwerk
von Michel Foucault stattgefunden und damit hat auch die Rückschau
auf die Rezeption des Werkes begonnen. Die Übersetzung und Edition
von Foucaults Interviews und Vorlesungen zeigt, daß seine Werke
mittlerweile ein breites Publikum gewonnen haben. Allerdings ist Foucault
immer noch ein umstrittener Autor. Seine Thesen sind auch 40 Jahre nach
der Publikation noch in der Lage zu provozieren.
Foucaults Machtbegriff, sein Verwendung und Prägung des Begriffs
„Diskurs“, sein Autorkonzept, seine verschiedenen Formen von
Subjektkritik und Subjektkonstitution, seine Historismuskritik und sein
Geschichtsmodell werden im Seminar erarbeitet und diskutiert werden.
Die Lektüre für dieses Seminar wird umfangreich und nicht
ganz einfach sein.
Literatur: Überwachen und Strafen, Wahnsinn und Gesellschaft, die
Archäologie des Wissens; Sexualität und Wahrheit Bd. 1-3;
Auszüge aus Schriften, Bd. 1 und 2; Didier Eribon, Michel Foucault. Eine Biographie, Frankfurt 1991.
Robert
Walser
„Ich
schreibe das Prosastück, das mir hier entstehen zu wollen scheint,
in stiller Mitternacht, und ich schreibe es für die Katz, will
sagen, für den Tagesgebrauch.“ Schreiben für die Katz:
So könnte die Poetologie von Robert Walser lauten. Was die „Katz“
sein könnte, gilt es allerdings erst herauszufinden.
Robert Walser wurde erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder
entdeckt. Seine Biographie, aber auch die Publikationsgeschichte seiner
Werke haben zu dieser späten Rezeption beigetragen. Mittlerweile
ist Walsers Werk sorgfältig ediert und umfassend kommentiert. Walser
wurde mit Kafka verglichen, Walter Benjamin, Thomas Mann, Alfred Polgar
und viele andere waren Bewunderer seiner eigenwilligen Prosa. Walsers
Texte sind oft komisch und unheimlich zugleich, sie verschränken
Vertrautes und Fremdes auf provozierende Weise.
Die Texte Robert Walsers stellen für die literaturwissenschaftliche
Betrachtung immer noch eine Herausforderung dar.
WS 2003/2004:
Einführung
in die Lyrik - hier
können die zusätzlichen Unterlagen runtergeladen werden
Vorlesung:
LITERATUR
DER JAHRHUNDERTWENDE
Eine Einführung
in die Literatur der Jahrhundertwende hat verschiedene Probleme zu lösen.
Bereits der Epochenbegriff ist ungeklärt und weist auf die spezifische
"Gemengelage" hin. Es handelt sich um eine Vielzahl von Begriffen,
die bereits von den Zeitgenossen in sehr unterschiedlicher Weise verwendet
wurden (Impressionismus und Jugendstil bzw. Art Nouveau, Modern Style,
Sezessionsstil, Neuromantik und Neuklassik, aber auch Begriffe wie Décadence,
"Symbolismus" und Fin de siècle). Die Jahrhundertwende
kann nur angemessen dargestellt werden, wenn die verschiedenen Strömungen
alle als Formen der Moderne verstanden werden. Die Darstellung und Klärung
der Begriffe hat also zugleich eine Einführung in die komplexen
und zum Teil widersprüchlichen Strukturen der europäischen
Moderne zu sein. Daher sollen Großstadt, Technik, neue Medien
etc. nicht nur als Motive in der Literatur verhandelt werden. Vielmehr
handelt es sich um eine Reflexion auf die strukturellen Gegebenheiten
moderner Kultur durch diese Kultur bzw. durch die Literatur selbst.
Das Verhältnis vom Ich zu seiner Umwelt, d. h. das Verhältnis
zum Anderen, zur Masse, aber auch zu den - das Ich umgebenden - Dingen
und zur Natur hat sich grundlegend gewandelt. Das wirkt sich aus als
Kritik der Geschichte, Kritik der Sprache - auch im strukturalistischen
Sinne -, als Kritik des selbstverantwortlichen Subjekts - auch in Form
der Psychoanalyse - und als Hinwendung zur Dingwelt bis hin zur "Verdinglichung"
des Menschen bzw. der Vermenschlichung von Dingen.
Literatur: York-Gothart Mix (Hg.): Naturalismus, Fin de siècle,
Expressionismus (1890-1918). München 2000 (= Hansers Sozialgeschichte
der deutschen Literatur, Band 7); Gotthart Wunberg/Johannes Braakenburg
(Hg.): Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890
und 1910. Stuttgart 1991; Jürgen Schutte/Peter Sprengel (Hg.):
Die Berliner Moderne 1885-1914. Stuttgart 1987; Dagmar Lorenz: Wiener
Moderne. Stuttgart 1995 (= Sammlung Metzler, Band 290); Walter Fähnders,
Avantgarde und Moderne 1890-1933, Stuttgart (Metzler) 1998; Franz Norbert
Mennemeier, Literatur der Jahrhundertwende, Berlin 2. Aufl. 1998.
Hauptseminare:
Träume
1800/1900
"Wenn
wir wachen, haben wir eine gemeinschaftliche Welt; schlafen wir aber,
so hat jeder seine eigene": Kant begreift den Traum als eine Art
Machtvakuum im Kopf und kann diesem "Schlaf der Vernunft"
keinen anthropologischen Wert abgewinnen. In der Dichtung ist allerdings
die Vorstellung von einer Logik der Traumsprache seit der Antike vertraut:
Göttliche Offenbarung und dämonische Versuchungen, Angst,
Schrecken, Verheißung, Sehnsucht und Begehren artikulieren sich
in den Bildern der Träume.
Die Literatur der Träume und die Träume in der Literatur sind
im medizinischen, anthropologischen, psychologischen Kontext der Epoche
zu verorten. Sie geben Aufschluss über die ästhetische Inszenierung
eines bestimmten Wissens vom Menschen. Literaturtheorien und Traumtheorien
kommentieren sich gegenseitig.
Ein Vergleich der Jahrhundertwenden um 1800 und um 1900 soll Kontinuitäten
und Differenzen herausarbeiten. Dazu lesen wir einmal Texte von Herder,
Kant, Goethe, Schiller, Jean Paul, Novalis, Tieck, Brentano und Kleist
und dann von Hofmannsthal, Schnitzler, Kafka, Freud u. a.
Strukturalismus, Phänomenologie, Poststrukturalismus
Die Gründe
für den beispiellosen Erfolg des Phänomens "Strukturalismus"
in der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts sind nicht ohne weiteres
anzugeben. Sicherlich hat dazu beigetragen, dass der Strukturalismus
so etwas wie eine "Gegenkultur" gegen den als veraltet empfundenen
Wissenschaftsbetrieb traditioneller Art war. Als eine Art "Protestkultur"
etabliert sich der Strukturalismus in den 50er und 60 Jahren. Mit Beginn
der 80er Jahre und dem Tode vieler bedeutender Strukturalisten scheint
die Geschichte des Strukturalismus bereits an ihr Ende gekommen zu sein.
Es handelt sich um ein Verfahren der Kritik, das heute in seiner Radikalität
und Schärfe nicht selten befremdlich wirkt. Gleichwohl ist die
genaue Kenntnis der einschlägigen Texte Voraussetzung sowohl für
eine fundierte Kritik als auch für die Aneignung dessen, was heute
noch gültig sein kann.
Üblicherweise wird innerhalb der strukturalistischen Bewegung zwischen
dem russischen Formalismus (Lotmann, Šklovskij), den Prager Strukturalisten
(Jakobson, Mukarovsky) und dem französischen Strukturalismus/Poststrukturalismus
unterschieden (Lévy-Strauss, Greimas, Lacan, Barthes, Genette,
Todorov, Serres, Althusser, Foucault, Derrida u.a.).
Wir werden einige der wichtigsten Texte zusammen lesen. Eine genaue
Themenliste wird in der Voranmeldung vergeben. Anmeldung und entsprechende
Vorbereitung sind verbindlich.
Literatur: Francois Dosse, Geschichte des Strukturalismus, 2
Bde., Hamburg 1996; Stefan Speck, Von Šklovskij zu de Man. Zur
Aktualität formalistischer Literaturtheorie, München 1997;
Jörn Albrecht, Europäischer Strukturalismus, Darmstadt 1988.
zuletzt aktualisiert am 07.07.2010